12. April 2024

2024 mit erfreulichem Start

Steigende Kurse auf breiter Front

Praktisch alle Aktienmärkte haben im ersten Quartal zugelegt. Unsere Übersicht auf der vorigen Seite zeigt dies eindrucksvoll. Eine solche Marktbreite ist das Besondere an dieser Entwicklung und positiv zu werten. Märkte wie Japan, die jahrelang vernachlässigt wurden, haben ein Allzeithoch erreicht. Und auch von steigenden Zuflüssen in die Aktienbörsen aus Europa, Asien und Lateinamerika wird berichtet. Selbst das Schlusslicht aus 2023, der chinesische Aktienmarkt, hat sich die letzten Wochen fast wieder auf das Jahresanfangsniveau gehangelt. Aber nicht nur Unternehmensanteile haben zugelegt. Auch Edelmetalle wie Gold und Silber, Rohöl, Kryptowährungen etc. sind teils sogar kräftig gestiegen.

Es gibt aber auch einige Bereiche, die Verluste im ersten Quartal aufweisen. So die meisten Industriemetalle wie auch die zugehörigen Minenkonzerne. Agrargüter sind ebenfalls günstiger geworden. Damit ist die Liste aber auch schon erschöpft.

Im Nachhinein ist alles so einfach

Ein aktueller Kommentar hat die Entwicklung an den Weltbörsen in den letzten Monaten so beschrieben. „Wenn man einen Lauf“ hat. Vielleicht kennen Sie dies von der Fußballmannschaft, die ein Tor nach dem anderen schießt. Oder beim Kartenspiel, wenn man mehrfach hintereinander ordentlich Trümpfe auf die Hand erhält. Es läuft an den Börsen recht exakt seit dem 26. Oktober letzten Jahres. Die Grafik des Weltaktienindex zeigt es eindrucksvoll. Geopolitische Unrast, Kriegsgeschehen, politisches Durcheinander, Rezession – alles scheint egal. Aber was war der Auslöser für die Rückkehr der Käufer an den Weltaktienmärkten? Im Nachhinein findet sich immer eine stichhaltige Erklärung.

Der Zins ist verantwortlich! Rund um diesen Zeitpunkt letztes Jahr setzte sich nach und nach die Hoffnung durch, dass mit den Zinserhöhungen Schluss ist und wir mit ersten Senkungen in näherer Zukunft rechnen können. Die geldpolitische Wende scheint nun tatsächlich wahr zu werden. Gerade hat die Schweizer Nationalbank den ersten Schritt getan und den Leitzins um 0,25 % auf 1,5 % gesenkt. Wann werden die europäische und amerikanische Notenbank folgen? Wahrscheinlich im Juni, aber solche Einschätzungen ändern sich wöchentlich. Entscheidend ist, dass das Zinshoch erreicht ist.

Übrigens gab es Mitte der 90er Jahre eine ähnliche Entwicklung wie heute. Die Inflation kommt etwas zurück, die Gewinne der Unternehmen sind noch hoch, eine Reihe von Zinssenkungen befeuert die Märkte. Damals hat dieser Schwung zur Aufblähung der Dotcom-Blase um das Jahr 2000 geführt. Diese Phase scheinbar unerschöpflicher Kursgewinne – und das aprubte Ende der Euphorie – wird noch so manch ein Anleger erinnern.

Im Börsengeschehen ist es nun einmal so, dass man vieles richtig, aber noch viel mehr falsch machen kann. Viele Investoren haben sich angesichts der Belastungsfaktoren voller Sorge um ihr Kapital auf die Seitenlinie begeben und die wieder attraktiven Festgeldzinsen genutzt. Es gab einen regelrechten Tagesgeld-Boom. Jetzt zu investieren fällt sehr sehr schwer. Denn wer möchte zuerst die Rallye verpassen und dann zum Höchststand einsteigen.

Laufen wir in eine Bewertungsblase hinein?

Diese Frage stellt sich angesichts der neuen Höchststände in vielen Märkten. Soll man jetzt noch auf den fahrenden Zug aufspringen oder ist genau dies die falsche Entscheidung? Zieht man die Gewinnsituation in Relation zu den Kursen als Maßstab heran, zeigt sich keine „Blase“, so wie dies um das Jahr 2000 der Fall war. Viele Firmen haben auch in den Krisenjahren gut verdient und die Preise entsprechend angepasst. Die Grafik zeigt die Bewertungen für den sogenannten Weltindex mit über 70 % USA-Anteil. 

Für Europa, Japan und Asien liegt dieser Wert noch unter dem Durchschnitt der letzten 25 Jahre. Hier ist noch Spielraum. Man merkt an der Entwicklung der letzten Wochen wie diese Märkte nachziehen.

Wie geht es weiter? Wie schon im letzten Quartalsbericht bemerkt, sind „(…) präzise Vorhersagen von Kursständen oder Wirtschaftsdaten mit großer Vorsicht zu genießen, stellen sie in der Regel die Fortführung bereits bestehender Trends dar.“ An diesen Grundsatz wollen wir uns auch weiter halten und enthalten uns jeglicher Prognosen. Was aber nicht heißen soll, dass wir uns keine Gedanken um die richtige Aufstellung unserer Kunden und deren Portfolios machen. Zu erkennen ist eine gewisse Sorglosigkeit bei den Anlegern. Die erwartete Schwankungsbreite, gemessen am Volatilitätsindex VIX lag letztmals 1996 auf einem so niedrigen Niveau. Die Ruhe ist genau die richtige Zeit um die eigene Anlagestrategie auf den Prüfstand zu stellen.

Was ist zu tun? Steigen die Kurse, verändern sich in der Regel auch die Gewichtungen im Depot. Prozentual ist der Aktienanteil stärker angestiegen als die Anleihepositionen. Aus einem vormals gleich gewichteten Bestand ist somit ein 60 % Aktien zu 40 % andere Anlagen-Depot geworden. Eine Angleichung an die ursprüngliche Verteilung ist empfehlenswert, reduziert man dadurch gut gelaufene Positionen zugunsten von Nachzüglern.

Gibt es eine KI-Blase?

Es ist ähnlich wie bei anderen Themen der letzten Jahre, die heute zum Großteil nur noch ein Schattendasein führen. Erinnern Sie sich noch an Wasserstoff, Nanotech, Uran, Lithium, Cannabis oder was gab es noch alles. Jetzt ist maschinelles Lernen mittels künstlicher Intelligenz ganz vorne auf den Titelseiten. Ist diesmal alles anders oder ist die Ernüchterung nahe? Glaubt man den Analysten werden Billionen (eine Billion hat gewaltig viele Nullen, genau 12 an der Zahl) in den nächsten Jahren in alles rund um künstliche Intelligenz fließen. Aber es gibt auch den bekannten Flaschenhals. Laut KI-Guru Sam Altman, Gründer von Open AI (dem Unternehmen hinter Chat-GPT), ist der Rohstoff der künstlichen Intelligenz Rechenpower. Wer am schnellsten rechnet, gewinnt Kunden, muss aber gewaltig investieren.

Reine KI-Firmen sind selten. Vieles ist bei den Tech-Riesen wie Microsoft, Alphabet, Meta, Apple und SAP angesiedelt. Nur diese haben die Ressourcen, beim Wettlauf mitzuhalten. Diese Werte hat jeder Anleger schon im Bestand und sie sind zwar teuer, nicht aber überteuert bewertet. Eine Blase findet sich nur bei wenigen spezialisierten Titeln, die es zu meiden gilt.

 

Exkurs Demografie – Es werden doch nicht so viele wie gedacht

Die Weltbevölkerung wächst, aber nicht mehr lange. Unabhängige Schätzungen gehen von einem Anstieg von aktuell 8,1 Mrd. auf ca. 9 Mrd. Menschen bis 2045 aus. Mit anschließenden Rückgang auf 7,5 Mrd. Menschen auf diesem Planeten. Woraus leiten die Wissenschaftlicher die neuen Erkenntnisse ab? Unter anderem aus dem früher als erwartet eingetretenen Rückgang der chinesischen Bevölkerung. Dort ist der Höchststand schon überschritten, die Geburtenrate kollabiert regelrecht. Statistisch bringt eine Chinesin nur noch ein Kind auf die Welt. Dabei gilt die 1-Kind-Politik schon seit 2016 nicht mehr. Interessant ist, dass es in Südkorea, Taiwan, Singapur etc. genauso mager bei den Geburtsraten aussieht. Ist ein Kind je Paar die neue Normalität? Manche Soziologen vermuten dies angesichts der fortschreitenden Urbanisierung. Die Folgekosten zusätzlichen Nachwuchses sind in der Stadt nun einmal deutlich höher.

Wo führt dies hin? Am Beispiel China zeigt sich dies drastisch. 2100 sollen es nur noch 600 Mio. Chinesen sein, der Höchststand lag vor einigen Jahren bei 1,4 Milliarden Bewohnern.

Solche demografischen Aspekte spielen bei der Zusammensetzung von Portfolios eine große Rolle. Zum einen ist da die alternde Bevölkerung, die zwar Chancen für zahlreiche Wirtschaftssektoren eröffnet, gesamtwirtschaftlich gesehen jedoch vor allem die Sorgen vor Deflationsdruck in den betroffenen Ländern, Beispiel Japan, erhöht. Zum anderen verleitet die wachsende Weltbevölkerung manche Menschen zu einer kritischen Haltung gegenüber dem Wirtschaftswachstum mit dem Ziel, so der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen des Planeten entgegenzuwirken.

Fazit – Die Bäume wachsen, aber nicht immer gleich schnell

nvestiert sein und bleiben. Das ist der erste Grundsatz. Neue Höchststände in vielen Anlagebereichen sind kein Grund sich aus dem Aktienmarkt zu verabschieden und auf die doch so sicher scheinende Korrektur zu warten. Schließlich steigen Börsen immer weiter nach oben. Und dies nicht erst seit diesen Tagen. Jedem Anstieg folgt eine Korrektur, das ist genauso gewiss. Die Grafik zeigt, dass man manchmal recht lange auf eine solche warten muss.

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